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Rückblick Digital-Kongress

Über 400 Teilnehmer diskutierten beim Digital-Kongress des Landes in Frankfurt Chancen und Risiken der Digitalisierung. Schwerpunktthema war Künstliche Intelligenz.

© Frederik von Erichsen

Intelligente Algorithmen verändern die Lebens- und Arbeitswelt, machen betriebliche Abläufe effizienter und erleichtern mit smarten Anwendungen den Alltag. Doch wo liegen die Risiken von Künstlicher Intelligenz (KI), und wie lässt sich ihr Einsatz steuern? Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir rief in seiner Eröffnung des Digitalkongress in Frankfurt zur Diskussion dieser wichtigen Fragen auf. „Für die hessische Wirtschaft ist es enorm wichtig, dass Unternehmen die Potenziale der Digitalisierung ausschöpfen“, erklärte Al-Wazir. „Es geht um die Grundlage der Digitalisierung in der Wirtschaft. Und es geht um das Grundrecht der Bürger auf informationelle Selbstbestimmung. Datensicherheit ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für das Gelingen der digitalen Wirtschaft 4.0.“

Mehr als 400 Teilnehmer folgten hochkarätigen Rednerinnen und Redner und zeigten durch zahlreiche Fragen und Anmerkungen via Konferenz-App großes Interesse an den vielfältigen Fragestellungen, Chancen und Herausforderungen, die sich durch den Einsatz von KI ergeben.

Mit Chris Boos, dem (CEO arago) sowie Dr. Mark Mattingley Scott von IBM diskutierten zwei Vertreter von Vorreiterunternehmen im Bereich KI die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Potenziale. Chris Boos betonte, dass alles was als Prozess formuliert werden kann, zukünftig von KI erledigt werde. Durch die Automatisierung und den Einsatz von KI stünden Zeit und finanzielle Mittel für Innovation bereit. Deshalb sei es wichtig, KI in der „Bestandswirtschaft einzuführen, um das zu erledigen, was wir heute selbst machen und uns um die Aufgaben und Herausforderungen der Zukunft zu kümmern.“

Prof. Dr. Katharina Zweig (TU Kaiserslautern) setzt sich für eine breite Diskussion über die Macht und möglichen Auswirkungen von Algorithmen ein. Künstlich intelligente Systeme und kognitive Maschinen werden von Menschen entwickelt – dabei fließen auch die dahinterliegenden Gedankenmuster in die Algorithmen ein. Sie fragte, ob KI auch bessere Personalentscheidungen treffen kann und wies darauf hin, dass eine der Herausforderungen in der KI darin besteht, dass zwar KI herausragend in der Mustererkennung ist, aber bspw. positive Abweichungen nicht erfasst werden.

Rahmenbedingungen für eine faire KI

Die Podiumsdiskussion zu Rahmenbedingungen für den Einsatz von KI betonte die Bedeutung sozialer / gesellschaftlicher Bildung. Aus Sicht von Mark Mattingley Scott geht Deutschland durch seine kritische Haltung nicht in eine technologische Sackgasse, vielmehr stelle dies einen Alleinstellungsmerkmal und die Chance für die Entwicklung fairer KI dar. Prof. Zweig betonte, dass Gesetze allein nicht ausreichen, es seien auch Normen sowie eine „KI-Etikette“ und Ethik erforderlich. Algorithmen müssen danach bewertet werden, wie hoch der mögliche Schaden ist, den diese verursachen. Außerdem müsse geprüft werden, ob und in wieweit es zu einem möglichen Monopol der Algorithmen komme. Liv Dizinger (DGB) hob die Bedeutung der Partizipation hervor und wies auf das Mitbestimmungsrecht der Arbeitnehmer bzw. des Betriebsrats bei der Einführung neuer Technologien hin. Anna Geyer vom Deutschen Einzelhandelsverband setzte sich für Kompetenzzentren zu KI ein und wies darauf hin, dass sowohl Arbeitnehmer als auch Unternehmen auf dem Weg mitgenommen werden müssen.

Dr. Sandra Wachter vom Oxford Internet Institute erläuterte, warum Daten keine (herkömmlichen) Waren seien. Ethik spiele eine wichtige Rolle, um Lücken im Gesetz zu schließen. Sie fordert, dass klar sein müsse, wie es zu einer logarithmischen Entscheidung komme. Die Algorithmische Entscheidungsfindung (ADM) dürfe keine Black Box sein. Algorithmische Entscheidungen müssen verstehbar, anfechtbar und änderbar sei. 

Der Nachmittag setzte einen Hessischen Schwerpunkt. Im Slot „7 x Digitales Hessen“ zeigten ausgewählte hessische Digitalprojekte, wie sie mit innovativen Ideen die Digitalstrategie des Landes umsetzen. Prof Dr. Reiner Anderl stellte das Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0 vor und zeigte, wie kleine und mittelständische Unternehmen fit für die Wirtschaft 4.0 gemacht werden können.

Dr. Boris Nikolai Konrad stellte in seinem informativen und zugleich unterhaltsamen Abschlussvortrag die Frage, wie es uns gelingt, „schlauer als die Roboter zu bleiben und stellte interessante Ergebnisse der Hirnforschung vor.

Impressionen